Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Julia Kalb – Musikerin, Kulturschaffende und Künstlerin.
1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?
Ich bin Julia Kalb, Musikerin, Kulturschaffende und Künstlerin aus der Region Stuttgart. Mich treibt die Suche nach Zwischenräumen und ehrlicher menschlicher Verbindung an. Damit meine ich Momente, in denen durch Austausch aus einem flüchtigen Gedanken etwas Reales wird, so wie aus einem Traum ein Bild oder aus einer vagen Idee ein Song entsteht. Ob am Bass, an der Gitarre, als Singer-Songwriterin oder in meinem künstlerischen Projekt Krabka: Es bereichert mich, aus Fragmenten etwas Greifbares zu schaffen, dabei offen in den Dialog zu treten und stets Neues über mich und mein Umfeld zu lernen.
2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Einerseits durch das Studium der Kultur- und Medienbildung mit einem Minor in Kreativitätsforschung in den Niederlanden. Dieses Studium hat mich viel darüber gelehrt, wie Kultur und das bizarre Menschsein funktionieren. Andererseits durch den Kontakt zu Gleichgesinnten und den Mut, meine Sehnsucht nach Ausdruck zu benennen und selbst auf Bühnen aktiv zu werden. Vor allem aber dadurch, dass mir tolle Menschen Vertrauen entgegengebracht haben. Das reicht von eigenen Projekten wie ZONDERLIN bis hin zur Arbeit als Live-Bassistin bei Levin Goes Lightly oder der Band PHI. Diese Mischung war es, die mich dahin geführt hat, wo ich heute stehe.

Foto: Julia Kalb
3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?
Stuttgart ist meine Basis und mein Zuhause. Als Leiterin der Geschäftsstelle des Feierabendkollektiv e. V. beschäftige ich mich täglich mit der Förderung und Sichtbarmachung handgemachter Musik. Die Stadt ist für mich ein Ort wachsender kultureller Vielfalt und vieler Möglichkeiten für Austausch und neue Netzwerke.
4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?
Die überschaubare Größe der Szene kann als große Stärke gesehen und genutzt werden. Das Potenzial liegt darin, den eigenen Dunstkreis noch weiter zu öffnen. Wir müssen weg vom Eigenbrötlerischen und hin zu mehr genre- und spartenübergreifenden Kooperationen. Stuttgart darf ruhig noch mutiger sein und lernen, auch zum „Unfertigen“ zu stehen.
5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?
Die Vernetzungsmöglichkeiten sind gut und es gibt tolle Formate und Orte, die zeigen, wie lebendig Stuttgart ist. Diese gilt es jedoch aufrechtzuerhalten. Die aktuellen Haushaltskürzungen sind fordernd und beängstigend. Zudem bleibt die Raumfrage prekär: Kreative Ideen brauchen Platz zum Atmen, Kultur darf nicht nur Statussymbol sein.

Foto: Julia Kalb
6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?
Musikalisch ist zurzeit viel in Bewegung: Mit ZONDERLIN stellen wir unsere Debüt-EP fertig (die aktuelle Single „Watch Me“ ist seit dem 1. Mai überall zu hören). Mit PHI gehören wir zu den Gewinnern von Playground BW und dürfen diesen Sommer das Konzert von Lenny Kravitz bei den Jazzopen eröffnen, worauf ich mich riesig freue. Parallel dazu sind neue Live-Termine mit Levin Goes Lightly in Planung. Abseits der Bühne arbeite ich an meinem neuen Kunstprojekt Krabka, bei dem ich unter anderem eingesandte Träume in Kunstwerke verwandle und als Postkarten zurückschicke – ein analoger Austausch in einer digitalen Zeit. Beruflich liegt mein Fokus weiterhin auf der strategischen Weiterentwicklung und Stärkung des Feierabendkollektivs.
7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?
Da fallen mir direkt zwei Dinge ein: Unternehmt einen kleinen Naherholungstrip auf die Schwäbische Alb und schaut bei der Kunst- und Kulturhalle Hundersingen vorbei! Freunde von mir haben dort im Lautertal einen Kulturverein gegründet und bauen hier gerade etwas Großartiges auf. Etwas näher vor der Haustür lege ich euch das Vive La Vie Festival in Eliszis historischem Jahrmarktstheater im Killesbergpark ans Herz. Die Location ist ein Traum und dieses Jahr feiern wir bereits das 14. Jubiläum. Das Feierabendkollektiv stellt dort Jahr für Jahr ein sehr charmantes, nahbares und familienfreundliches Programm auf die Beine.
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Foto: Julia Kalb














