Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an Anina Keuchel
Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Anina Keuchel – Musikerin und Filmemacherin.
1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?
Ich bin Anina Keuchel, Indie-Rock-Musikerin und Filmemacherin aus Stuttgart. Mich inspirieren wahrscheinlich am meisten persönliche Erfahrung und Begegnungen aus meinem Alltag. Oft entsteht daraus Musik, die mir hilft, Dinge zu verarbeiten und dann im Nachhinein besser zu verstehen. Auf meiner ersten EP ging es zum Beispiel viel um soziale Angst und das Aufschieben von eigenen Träumen. Für meine Arbeit im Film finde ich es super spannend, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und mich dadurch mit Themen zu beschäftigen, die über meine eigene Erfahrung hinausgehen.
2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Seitdem ich denken kann, bin ich mit meinem kleinen Camcorder herumgelaufen. Mit ungefähr acht Jahren habe ich mich jedes Wochenende auf den Weg gemacht und meine Freunde in unserem Wohnblock animiert Kurzfilme zu drehen. Am Ende des Sommers wurden die fertigen Filme dann auf eine große weiße Hauswand projiziert und der Nachbarschaft vorgeführt. Hierbei entstand wahrscheinlich meine Liebe für das Geschichtenerzählen. Musik wurde bei uns schon immer in der Familie gemacht und das zieht sich bis heute durch. Nach meinem Werbestudium an der Hochschule der Medien habe ich 2025 endlich meine erste Musik veröffentlicht, eine Band gegründet und danach mein Regiestudium an der Filmakademie in Ludwigsburg begonnen. Meine beiden Leidenschaften vereine ich nun in meinem Musikprojekt “Anina” und in meiner Regiearbeit.
3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?
Die Region Stuttgart ist für mich der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und später Freund*innen gefunden habe, mit denen ich Herzensprojekte umsetzen kann. An der Hochschule der Medien habe ich meinen Produzenten Jona Mack und meine Liveband kennengelernt, mit der wir viel in der Region spielen. Jetzt, wo ich an meiner neuen EP schreibe, bin ich super dankbar für die Unterstützung durch andere Kreativschaffende aus der Region und das Pop-Büro in Stuttgart. Auch meine Filmprojekte entstehen zum größten Teil hier, unter anderem durch mein Studium an der Filmakademie.

Anina&Band auf dem SouthsideFestival, Foto: Victor Rubow
4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?
Was mir in Stuttgart vor allem auffällt, ist die Leidenschaft, mit der Kreativschaffende Projekte initiieren und sich auch untereinander unterstützen. Leute haben Lust, sich zu engagieren und Dinge zu organisieren. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass es noch mehr Räume geben könnte, um sich untereinander zu vernetzen und auszutauschen.
5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?
Ich glaube, Stuttgart hat kein Problem damit, dass es zu wenig Kultur gibt oder zu wenig Initiative. Orte wie das Merlin oder das Sunny High schaffen wichtige Räume für junge Künstler*innen, und auch das Pop-Büro leistet super Arbeit für die Sichtbarkeit der Stuttgarter Musikszene. Das Problem ist eher, dass es immer schwieriger wird, die Räume und Strukturen dafür zu erhalten. Gerade kleine Clubs und Veranstaltungsorte sind für junge Künstler*innen total wichtig, deswegen müssen auch die Räume dafür erhalten bleiben.

Anina&Band Live im Sunny High, Foto: Madlen Medvedovskyy
6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?
Ich arbeite gerade an meiner zweiten EP und experimentiere dabei viel mit meinem Sound. Aktuell laden wir dafür immer wieder unterschiedliche Musikschaffende ins Studio ein und schreiben neue Demos. Dieser Prozess ist gerade sehr intensiv und spannend. Außerdem habe ich an der Filmakademie einen Social Spot zum Thema Organspende umgesetzt. Auf die Veröffentlichung freue ich mich sehr, weil mich das Thema persönlich schon lange beschäftigt und mir sehr am Herzen liegt.
7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, mal im Kulturzentrum Merlin vorbeizuschauen und auf Konzerte von Bands zu gehen, die man vorher noch nicht kannte. Auf der About Pop habe ich dieses Jahr zum Beispiel “Agatha Is Dead!” entdeckt, die ich sehr empfehlen kann. Auch die Jamsessions sind dort sehr toll und super um Menschen aus der Musikszene kennenzulernen. Sonst höre ich gerade, im Hinblick auf meine neue EP, eine Menge “Anna von Hausswolff”.
Hier findet ihr Anina im Netz:
➡️ Mehr Kultur aus Stuttgart? Weitere Porträts und Interviews hier auf STUGGI.TV
Foto: Madlen Medvedovskyy













