Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an Matthias Fugel
Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Matthias Fugel – Veranstalter in der Dieselstrasse und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit.
1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?
Ich bin Matthias und arbeite seit nunmehr 9 Jahren in der Dieselstrasse in Esslingen am Neckar. Wir sind ein soziokulturelles Zentrum, als Verein organisiert und ich veranstalte dort Konzerte und Festivals im Bereich Popkultur und verantworte die Öffentlichkeitsarbeit. Nebenher mache ich selbst in den verschiedensten Projekten Musik. Kunst berührt, sie regt zum nachdenken an und hinterlässt Eindrücke. Die Möglichmachung dieser Momente kollektiven
2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Nach meinem Studium (Kultur- und Medienbildung) hab ich erstmal ein paar Jobs und Praktika im Kultur- und Jugendarbeit-Kontext. Im Anschluss einen Master in Medienwissenschaft. Dann hatte ich eine Ausschreibung für eine Booker-Stelle in Esslingen gesehen. Da ich mich schon immer viel mit Musik beschäftigt und damals auch vermehrt Konzerte in Stuttgart organisiert habe, dachte ich, ich bewerb mich einfach mal. Und schwupps, bin ich 9 Jahre dort.
3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?
Ich lebe seit über 15 Jahren in der Region Stuttgart und sie ist zur zweiten Heimat geworden. Durchs Musikmachen, mein Studium und die Zeit danach lernte ich jede Menge Menschen mit ähnlichen Interessen und Leidenschaften kennen. Diese Vernetzung hilft mir in meinem Job tagtäglich. Durch die Konzentration dieser vielen, größeren Städte hier in der Region hat man natürlich ein großes kreatives Potential.
Gleichzeitig stehen wir in Esslingen mit unserem Kulturangebot immer in starker Konkurrenz zur Landeshauptstadt. Die Esslinger*innen fahren für Kultur gern nach Stuttgart, die Stuttgarter*innen aber selten nach Esslingen. Wo Menschen in Berlin beim Ausgehen Ewigkeiten mit der Anfahrt verbringen, sind die 20 Minuten S-Bahn nach Esslingen für viele eine Weltreise. Das stellt uns in unserer Programmplanung vor große Herausforderungen.
4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?
Die Stuttgarter Kreativszene ist total vielseitig und lebendig. Mich freut immer wieder die Vielzahl an neuen und spannenden Projekten die entstehen. Zwar verschwinden einige genauso schnell wieder, aber das gehört zu einer produktiven Szene dazu. Die Stadt bietet auch irgendwie viele Projektionsflächen und popkulturelle Anknüpfungspunkte.
Was mir manchmal fehlt, sind Orte, an denen ungezwungene Vernetzung stattfindet. Damit meine ich kein Meet & Greet, sondern kleine Bühnen, Proberäume, Studio-Komplexe. Mehr kreativen Austausch dort, wo Kunst entsteht zur gegenseitigen Befruchtung und Motivation. Ich hab das Gefühl, diese Art von Orten verschwinden mehr, als dass sie entstehen.
5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?
Als positiv wahrgenommen habe ich beispielsweise Programme wie das Pop-Stipendium. Proberäume, Studios, Fotograf*innen etc. – all das kostet Geld. Für viele, die versuchen etwas Kreatives zu Schaffen scheitert es oft daran. Wenn Stuttgart eine vergleichsweise kleine Summe in Stipendien vergibt, halte ich das für gut investiertes Geld. Auch interessant fand ich die in Auftrag gegebene Proberaum-Studie. Mich würde freuen, wenn in dem Bereich langsam was voran geht. Mehr bezahlbare Räume, mehr Fluktuation in den Räumen, mehr Austausch!
Der Kulturlandschaft in der Region ging es lange Jahre vergleichsweise gut, auch dank der Automobilindustrie und deren Zulieferer. Die Sparmaßnahmen werden die Vielfalt des kulturellen Angebots und die ausübenden Künstler*innen hart treffen, vor allem in kleineren und nicht minder spannenden Angeboten. Aber grade in der Kulturbranche sind die Menschen ideenreich und kreativ – und aus äußeren Zwängen ergeben sich immer neue spannende Konzepte und Formate, die eine Kulturlandschaft beleben können. Aber es fällt mir schwer, im Bezug auf Sparmaßnahmen das Wort „Chance“ in den Mund zu nehmen…
6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?
Wir veranstalten im Februar 2027 bereits zum fünften Mal das Cosmic Playgrounds – Festival für Musik, Elektronik und Experimente. Dafür stelle ich grade das Programm zusammen, was immer besonders viel Spaß macht, da man unglaublich viel Spannendes entdecken kann. Darüberhinaus habe ich im letzten Jahr ein Pop-Stipendium vom Kulturamt für ein Soloalbum erhalten. Das ist fast fertig und soll (hoffentlich) im Frühjahr 27 erscheinen.
7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?
Grade lese ich nach einigen Jahren mal wieder Stefan Zweig – Die Welt von Gestern. Erschreckend wie aktuell das Buch doch im Laufe der Zeit geworden ist.
Hier findet ihr Matthias im Netz:
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Foto: Max Hartmann













