Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Carine – Research & UX Designerin und DJ
1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?
Ich bin Carine, Research & UX Designerin und DJ. Ich bewege mich sowohl beruflich als auch musikalisch und privat gerne an Schnittstellen. Mich treibt also genau das an, was zwischen und außerhalb der Grenzen passiert. Das übersetzt sich in die Art von Musik, die ich als DJ spiele, aber auch in dem wie ich mich sonst kreativ beschäftige. Der Satz „Jack of all trades, master of none“ ist eine ganz gute Beschreibung dafür. Ich bin schnell für Dinge zu begeistern, egal ob ich den Background dafür habe oder nicht. Es gibt wahrscheinlich kaum ein Projekt, was ich hinter den Kulissen in irgendeiner Form nicht schon gestartet habe. Ein Großteil davon hat aber und wird wahrscheinlich nie das Tageslicht sehen oder wirklich zu Ende gebracht werden. Das macht mir aber nichts aus, da genau dieser Prozess sich an etwas Neues heranzutrauen, ohne den Druck zu haben darin komplett aufzugehen, für mich heilig ist. Mich in eine Rolle zu zwingen, hat nie so wirklich geklappt.
2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Wenn wir von der DJ Sache sprechen, dann war es eigentlich nie verwunderlich, dass es mal so endet. Vielleicht wären noch Musikproduktion oder auch einfach Musik in anderer Form als Künstlerin in Frage gekommen (und wer weiß, vielleicht kommt dieser Punkt auch noch). Musik ist und war schon immer ein existentieller Teil meines Lebens. Egal in welcher Form ich sie konsumiere, also über das Kreieren, das Teilen, das Auflegen, das Tanzen und auch das einfache Anhören – in meinem Leben führt kein Weg dran vorbei. Wer mich in dieser Stadt aus dem Nachtleben kennt, weiß, dass ich sehr gerne feiern gehe und mit meinen Mitmenschen connecte. Das musikalische Nachtleben bringt Menschen auf eine sehr ehrliche Art zusammen, selbst wenn es auch Tücken haben kann. Gerade die Connection auf der Tanzfläche ist etwas, was ich schon an Familienfesten am meisten genossen habe – gerade in einer Zeit in der ich selbst noch sehr zurückhaltend war. Umso toller ist es für mich, als DJ die Tanzfläche zu bespielen. Auf genau so einer Fläche und über Musik habe ich auch mit Keriman, meiner DJ Duo Partnerin von missm3rcury connecten können. Es hat quasi eins zum anderen geführt.

Foto: Saeed Kakavand
3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?
Stuttgart ist mittlerweile mein musikalischer Sozialkern, wenn man’s so nennen kann. Die Möglichkeiten, die ich heute bekomme, habe ich den Menschen hier zu verdanken. Das Zusammenspiel aus Community und dem daraus folgenden gegenseitigem Support ist etwas, was ich gerade in den letzten Jahren erleben durfte. Dazu gehören Orte, Kollektive und Initiativen wie das Hotel Central, art.soul, pleasures und 0711. Aber auch viele Einzelpersonen, die kontinuierlich die Szene und DJs unterstützen.
4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?
Für den kleinen Fleck, den Stuttgart darstellt, gibt es meiner Meinung nach schon sehr viele verschiedene Szenen, selbst wenn die Communities um die Szenen herum schon auch sehr klein sein können und entsprechend nach außen etwas einschüchternd wirken können. Ich habe aber das Gefühl, dass es für jede Form von Kreativen in Stuttgart einen Startpunkt gibt. Was man danach daraus macht, liegt aber definitiv bei einem selbst. Es braucht gerade in der Kreativszene viel Geduld und vor allem Motivation – deswegen ist es essentiell, dass man als Kreativschaffender nicht die eigene Leidenschaft an der Sache aus dem Auge verliert und nach Menschen sucht, die diese Leidenschaft teilen.

Foto: Leonie Bucher
5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?
Was die Stuttgarter Kulturszene in meinen Augen sehr auszeichnet, ist dass die Menschen die hinter dem kulturellen Angebot hier stehen, sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen an den Tag legen. Und das gerade auch unter dem Aspekt, dass die Stadt es vielen gerade seit Corona wirklich nicht leicht macht. Gerade auch unter dem Aspekt, ist es aber umso auffälliger, dass selbst wenn man die Frustration in Teilen stark bemerkt, die wenigsten wirklich aufgeben und es immer weiter versuchen. Ich weiß das, als jemand der mehr am Rand dieser Dinge steht, aber natürlich (in)direkt davon benefitted, wirklich zu schätzen und hoffe auch, dass ich das in den letzten Jahren zeigen konnte.
Ich glaube, dass viele der Szenen noch mehr miteinander arbeiten könnten, da ich einfach so viele Überschneidungen sehe, als jemand der gefühlt an jeder Ecke schon mal war. Wenn ich zurück zum Nachtleben gehe, ist eins der schönsten jüngeren Beispiele die Lerche22 – so viele verschiedene Kollektive haben hier so viele tolle Parties jeglicher Art geschmissen. Einen Club zu haben in dem ich an einem Abend eine legendäre Hip Hop Party wie sie an das alte Freund & Kupferstecher erinnert und die Woche drauf eine Indie Party besuchen kann, erfreut mein Herz.
Aber selbst mit den ganzen Überschneidungen der Communities, bemerkt man doch auch immer noch eine gewisse Trennung. Ich sehe die Pflicht hier aber nicht nur bei den Kulturschaffenden, sondern gerade auch bei den Menschen wie mir, die ihren Support dadurch zeigen können, dass sie sich eben „zeigen“.

Foto: Saeed Kakavand
6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?
Ich war dieses Jahr tatsächlich sehr viel in meinem Kämmerchen und habe mich damit beschäftigt, was das was ich mache an der Art und Weise wie ich Musik und Kunst konsumiere verändert hat. Etwas in sich sehr Intimes wie die eigene Kunst nach außen zu tragen und sich auf diese Art verletzlich zu machen, kann auf jeden Fall Herausforderungen mit sich bringen. Jetzt geht es aber wieder raus Richtung Mitmenschen und Communities. Spezifisch ist das nächste Projekt, was am Horizont steht ein kleines, sagen wir mal interdisziplinäres DJ-Netzwerk was ich gemeinsam mit meinen DJ-Friends Keriman und Mimi Maxaieie gestartet habe – da ist einiges am Kommen.
7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?
In Stuttgart gibt es so viele Künstlerinnen und Künstler, Organisationen, Events, Podcasts u.Ä., die ich gerne teilen würde. Mir ist es aber wichtig diese Gelegenheit gezielt dafür zu nutzen um vor allem FLINTA* Artists und Kulturschaffende in den Vordergrund zu rücken:
• DJs: Keriman, Mimi Maxaieie ,CHIEFQUEEF, SARAYA, Immi Bakes | @timbre.listening, BABYACQUA, Adwoa, Jae , mi0m, SĀNE, Quirky Powers, TheaC, SABA, AfroPunk, Kiti Arsa, Meret Foret, crystalcrimez
• Fotografie: Lia Schiliro, Leonie Bucher, Anna Rosa Scognamillo, Black is Beautiful | @minodess
• Musik, Interdisziplinäre Kunst & Anderes: Ana Tra, VJOLA, tilly, ENEA, Gaisma, Hiba, Soulia, Krowni, Winx Gems, What’s Cooking Breakfast Club | @victoriaxregina
• Podcasts, Gesprächsformate & Radioshows: Let’s talk about Female Hip Hop (@alexandrastoessel & @alexaschkaa), Brown Sugar (@nominevernaomi)
• Buchclubs & Gemeinschaften: Kapitel Zwei (@fraugoldkette), Bücherbörse (@buecherboerse_stgt)
Hier findet ihr Carine im Netz:
➡️ Mehr Kultur aus Stuttgart? Weitere Porträts und Interviews hier auf STUGGI.TV
Foto: Lia Schiliro













