Stuttgarts schönstes Schulklo? Was hinter dem Antrag im Gemeinderat steckt
Üble Gerüche, kaputte Türen oder fehlendes Klopapier: Viele Schüler:innen meiden die Toiletten ihrer Schule lieber ganz. Ein neuer Antrag im Stuttgarter Gemeinderat soll das Problem nun angehen.
Wettbewerb um Stuttgarts schönste Schultoilette vorgeschlagen
Die Fraktion die Linke SÖS-Tierschutz beantragt ein eigenes Budget für einen Wettbewerb um die „Schönste Schultoilette“. Klingt erst einmal etwas kurios, dahinter steckt aber ein ernstes Anliegen. Schüler:innen sollen gemeinsam Ideen entwickeln und die Sanitärbereiche ihrer Schule mitgestalten. Bewertet werden könnten unter anderem Kreativität, Sauberkeit, Eigenleistung, Alltagstauglichkeit, Nachhaltigkeit und der sogenannte Wohlfühlfaktor.
Als Preise schlägt die Fraktion beispielsweise Zuschüsse für Ausflüge und Klassenaktionen oder neue Ausstattung für die Schule vor. Ziel sei es, die stillen Örtchen langfristig aufzuwerten und gleichzeitig das Verantwortungsgefühl der Schüler:innen zu stärken. Gerade während der Menstruation seien saubere, geschützte und gut ausgestattete Sanitärbereiche besonders wichtig, heißt es im Antrag. Wer selbst mitgestaltet, so die Hoffnung, geht anschließend auch respektvoller mit den Räumen um.
Deutschlands Schulklos bekommen schlechte Noten
Ganz neu ist die Idee eines solchen Klo-Contests nicht. Die gemeinnützige German Toilet Organization ruft bereits seit 2012 unter dem Titel „Toiletten machen Schule“ Bildungseinrichtungen aus ganz Deutschland dazu auf, eigene Konzepte für bessere Schultoiletten zu entwickeln. Von 2012 bis 2024 beteiligten sich nach Angaben der Initiative 294 Schulen aus allen 16 Bundesländern.
Dass viele Schultoiletten dringend ein Makeover gebrauchen könnten, zeigt auch eine Studie der German Toilet Organization und der Universität Bonn aus dem Schuljahr 2022. Dafür wurden 949 Schüler:innen der neunten Klassen an 17 weiterführenden Berliner Schulen befragt.
Das Toilettenzeugnis fiel ernüchternd aus: Im Durchschnitt vergaben die Jugendlichen die Note vier minus. Viele von ihnen gaben an, den Toilettengang in der Schule möglichst zu vermeiden. Mehr als ein Viertel aß oder trank deshalb sogar weniger. Als häufigste Gründe nannten sie unangenehme Gerüche, fehlende Privatsphäre und fehlendes Toilettenpapier.
Die Untersuchung zeigte außerdem einen Zusammenhang zwischen der Beteiligung der Schüler:innen an Entscheidungen und der Gestaltung der Toiletten und deren besserem Zustand. Die Ergebnisse beziehen sich allerdings ausschließlich auf die untersuchten Berliner Schulen.
Stuttgart hat bereits Wettbewerbserfahrung
Auch für Stuttgart wäre ein solcher Wettbewerb kein völliges Neuland: Das Eschbach-Gymnasium in Freiberg nahm laut Angaben gegenüber der Stuttgarter Zeitung, bereits an „Toiletten machen Schule“ teil und gewann sogar einen Preis. Mit Schülerzeichnungen, Pflanzen und Spiegeln sollte frischer Wind in die Sanitärbereiche gebracht werden. Eine dauerhafte Lösung für die Klo-Krise war das allerdings nicht. Nach erneuten Verschmutzungen und Vandalismus führte die Schule strengere Regeln und Kontrollen ein. Es bleibt also unklar inwieweit ein solcher Wettbewerb die grundlegenden Probleme der Schultoiletten lösen kann.
Ob der vorgeschlagene Wettbewerb tatsächlich umgesetzt wird, steht ebenfalls noch in den Sternen. Der Antrag wurde erst am 1. September 2026 eingereicht. Geplant ist keine Teilnahme am bundesweiten Projekt „Toiletten machen Schule“, sondern ein eigener Wettbewerb, der dauerhaft sowie klassen- oder jahrgangsübergreifend stattfinden könnte. Die Fraktion die Linke SÖS-Tierschutz hat die Verwaltung nun aufgefordert einen Vorschlag für ein entsprechendes Budget zu erarbeiten.
Klar ist: Hinter der Suche nach Stuttgarts schönstem Schulklo steckt ein Problem, das für viele Schüler:innen alles andere als ein Witz ist.
Foto: KI generiert













