Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an Andrea Profetto
Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Andrea Profetto – Autorin und Kuratorin.
1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?
Mein Name ist Andrea Profetto, ich bin 31 Jahre alt, Autorin und Kuratorin. Das Schreiben und Lesen begleitet mich schon, seit ich sehr jung bin. Ich liebe dieses Gefühl, in völlig fremde Welten einzutauchen oder mich Lebensrealitäten und Themen anzunähern, die ich selbst besser verstehen möchte.
Ich schreibe am liebsten, wenn ich plötzlich eine bestimmte Atmosphäre greifen kann, wenn Bilder in meinem Kopf auftauchen, Figuren, Gespräche, Situationen. Mich treibt dabei immer das Gefühl an, etwas durchbohren zu wollen: Dingen und Menschen ganz nah zu sein und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu behalten. Einen anderen Blick auf die Welt um mich herum zu bekommen.
2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Geschrieben habe ich eigentlich schon immer. Dass ich nun tatsächlich einen Roman herausgebracht habe, ist für mich aber etwas Neues. Der Weg dorthin war dann ziemlich klassisch: Der Roman ist über mehrere Jahre in meinem Kopf gewachsen, richtig geschrieben habe ich ihn schließlich innerhalb von ungefähr einem Jahr. Danach habe ich mich bei verschiedenen Literaturagenturen beworben. Meine beiden tollen Agentinnen bei zoraLit haben sich für den Roman begeistert und anschließend die Verlagssuche für mich übernommen.

Foto: Irgendwann verglüht die Sonne ⁄ Andrea Profetto
3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?
Ich lebe inzwischen schon mein halbes Leben hier. Natürlich beeinflussen die Realität und die Menschen um mich herum unterbewusst auch meine Texte. Gleichzeitig glaube ich, dass meine Geschichten genauso gut an anderen Orten stattfinden könnten. Was Stuttgart für mich aber ganz konkret bedeutet, ist der Support: Durch meine eigene Arbeit im Literaturbetrieb kenne ich hier viele Menschen, die mich und meine Arbeit unterstützen und begleiten. Dieses Netzwerk und diese Verbundenheit sind für mein Schaffen sehr wertvoll.
4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?
Ich finde, Stuttgart hat eine kleine, aber ziemlich feine und gut vernetzte Kreativszene. Es gibt viele Menschen, die mit großer Eigeninitiative Dinge auf die Beine stellen und sich gegenseitig unterstützen.
Gleichzeitig könnte es noch mehr Austausch zwischen den einzelnen Szenen geben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Hochkultur und freie oder subkulturelle Kultur noch zu sehr in getrennten Welten stattfinden. Dabei wäre gerade die Reibung zwischen diesen Welten spannend.
5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?
Gut läuft für mich vor allem das, was aus der Szene selbst heraus entsteht: Menschen organisieren, kuratieren und schaffen Räume, oft mit ziemlich begrenzten Mitteln. Schwieriger wird es beim Thema Ressourcen. Der Spardruck ist spürbar, und gleichzeitig habe ich manchmal den Eindruck, dass etablierte Hochkultur bei Förderungen und Aufmerksamkeit eine andere Stellung hat als freie und subkulturelle Projekte.
Ich würde mir wünschen, dass man gerade die kleineren Strukturen nicht nur als Nachwuchs oder Ergänzung der großen Kulturlandschaft versteht. Sie sind ein eigener und wichtiger Teil davon und oft auch der Ort, an dem neue Dinge überhaupt erst ausprobiert werden.

Foto: Andrea Profetto
6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?
In meinem Kopf gibt es schon sehr viele Gedanken für den zweiten Roman. Es gibt erste Verwerfungen, neue Szenen und ganz unterschiedliche Möglichkeiten, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte. Ich versuche herauszufinden, was ich im Kern eigentlich wirklich erzählen möchte, und die Figuren immer besser zu greifen und zu verstehen.
7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?
Ich empfehle eigentlich immer gerne alle Texte von Marlen Haushofer, vor allem den Roman „Die Wand“. In den letzten Monaten bin ich außerdem ein riesiger Fan von Sayaka Murata geworden und habe praktisch alles von ihr inhaliert. Zuletzt besonders geliebt habe ich außerdem den Roman „Orca“ von Franziska Gänsler.
Hier findet ihr Andrea im Netz:
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Foto: Vanessa Santos













