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Jung.Laut.Kreativ

Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an Niclas Rüdiger

Die RedaktionDie Redaktion Veröffentlicht am 20. Oktober 2026
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Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Niclas Rüdiger – Grafikdesigner & Künstler

1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?

Ich bin Niclas, Grafikdesigner, Künstler aus Stuttgart. Ich bewege mich irgendwo zwischen Gestaltung, Illustration, Malerei und dem Organisieren von Projekten. Mich treibt vor allem Neugier an. Ich mag es, Dinge auszuprobieren, ohne vorher genau zu wissen, wo sie am Ende landen. Dabei interessiert mich besonders das Zusammenspiel von Kunst, Gestaltung und dem Leben drumherum. Ich glaube, dass gute Ideen oft dann entstehen, wenn unterschiedliche Dinge aufeinandertreffen.

2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?

Ich habe ursprünglich Modedesign gelernt und bin danach über das Studium der Visuellen Kommunikation immer stärker in Richtung Grafik und freie Gestaltung gegangen. Während des Studiums habe ich gemerkt, dass ich eigentlich gar nicht so sehr zwischen „Design“ und „Kunst“ unterscheiden möchte. Parallel dazu habe ich angefangen, eigene Projekte umzusetzen und freiberuflich zu arbeiten. Irgendwann kam dann auch das Bedürfnis dazu, nicht nur für andere zu gestalten, sondern eigene Räume und Plattformen zu schaffen. Der Staub der Straße ist genau daraus entstanden. Angefangen hat das relativ klein und aus einem Freundeskreis heraus. Mit der Zeit wurde daraus ein Projekt, bei dem wir gemerkt haben, dass es in Stuttgart einen echten Bedarf an solchen unabhängigen Plattformen gibt. Das hat uns motiviert, weiterzumachen und das Ganze jedes Mal ein Stück weiterzuentwickeln.

 

Foto: Niclas Rüdiger

3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?

Eine ziemlich große. Stuttgart ist für mich gleichzeitig Inspiration und Reibungsfläche. Die Stadt hat viele unterschiedliche Menschen, Szenen und kreative Köpfe, die teilweise direkt nebeneinander existieren, aber trotzdem wenig miteinander zu tun haben. Genau diese Zwischenräume finde ich spannend. Ich bin hier in der Nähe aufgewachsen und kenne die Stadt deshalb nicht nur über ihre schönen Seiten, sondern auch über ihre Widersprüche. Diese Mischung aus Industrie, Stadtentwicklung, Subkultur und manchmal auch etwas Provinziellem taucht immer wieder in meinen Arbeiten und Projekten auf. Bei Der Staub der Straße versuchen wir genau diese verschiedenen Teile der Stadt zusammenzubringen. Ursprünglich kam das Projekt stärker aus der Skate-Szene, mittlerweile ist es aber viel breiter geworden. Uns interessiert, was passiert, wenn Malerei, Fotografie, Skulptur, Musik, Installation und unterschiedliche Szenen aufeinandertreffen. Stuttgart ist dabei nicht nur der Ort, an dem das Projekt stattfindet, sondern eigentlich der Ausgangspunkt dafür.

4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?

Ich finde, Stuttgart hat unglaublich viele kreative Leute. Das Problem ist weniger, dass es keine Szene gibt, sondern dass sie oft ziemlich fragmentiert ist. Es gibt viele kleine Communities, die jeweils ihr eigenes Ding machen. Was ich spannend fände, wäre mehr Austausch dazwischen. Genau deshalb funktioniert Der Staub der Straße für uns auch als eine Art Spielwiese. Wir wollen nicht vorgeben, wie eine Ausstellung auszusehen hat, sondern unterschiedliche Leute und Positionen zusammenbringen und schauen, was daraus entsteht. Was ich außerdem wichtig finde: Es muss nicht immer alles größer, professioneller und institutioneller werden. Gerade die kleinen, unabhängigen Projekte machen eine Stadt kulturell interessant. Davon gibt es in Stuttgart ziemlich viele, teilweise kennt man sie nur noch nicht.

Foto: Niclas Rüdiger

5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?

Gut finde ich, dass es in Stuttgart viele Menschen gibt, die trotz begrenzter Möglichkeiten eigene Projekte auf die Beine stellen. Es gibt viel Eigeninitiative und eine Menge Leute, die Kultur nicht nur konsumieren, sondern selbst machen wollen. Das merken wir auch bei Der Staub der Straße. Bei unseren vergangenen Ausstellungen haben wir immer wieder gesehen, wie viele unterschiedliche Leute Lust darauf haben, ihre Arbeiten zu zeigen und Teil von so einem Projekt zu sein. Schwierig wird es immer dann, wenn Räume fehlen. Gerade für junge und unabhängige Kulturschaffende sind bezahlbare Flächen ein riesiges Thema. Viele interessante Orte verschwinden oder werden irgendwann anders genutzt. Gleichzeitig gibt es Leerstand. Ich glaube, Stuttgart könnte noch viel stärker davon profitieren, solche Zwischenräume temporär für Kultur, Kunst und Begegnung zu öffnen. Nicht jedes Projekt braucht direkt einen perfekten White Cube. Manchmal entsteht gerade an einem ungewöhnlichen Ort etwas, das viel spannender ist.

6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?

Aktuell arbeite ich viel an meiner eigenen künstlerischen Arbeit und gleichzeitig an der nächsten Ausgabe von Der Staub der Straße. Wir planen für April 2027 eine neue Ausstellung. Dabei wollen wir das Projekt noch stärker als offene Plattform für unterschiedliche kreative Positionen denken. Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation, Musik und andere Formen sollen nebeneinander funktionieren können. Gleichzeitig arbeiten wir gerade daran, das Projekt strukturell weiterzuentwickeln, also neue Künstler und Kollektive einzuladen, Partnerschaften aufzubauen und die Ausstellung als einen Ort zu denken, an dem unterschiedliche Teile der Stadt zusammenkommen können. Parallel arbeite ich weiter an eigenen Bildern, Prints und freien Gestaltungsprojekten. Es passiert also gerade ziemlich viel gleichzeitig, wie eigentlich immer.

7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?

Ich würde gar nicht versuchen, hier die fünf „besten“ Sachen aufzuzählen. In Stuttgart würde ich eher empfehlen, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen. Kleine Ausstellungen, Off-Spaces, Konzerte, Ateliers oder Veranstaltungen, von denen man vorher noch nie gehört hat, sind oft interessanter als die großen Namen. Und vor allem würde ich empfehlen, sich mal mit den ganzen Kollektiven und unabhängige Projekten zu beschäftigen, die diese Stadt zu bieten hat. Zum Beispiel die Leute von Betonfreude21, aber auch viele andere kleine Gruppen, die irgendwo im Hintergrund Veranstaltungen, Ausstellungen, Musik oder einfach Räume für Leute auf die Beine stellen. Genau diese Menschen und Kollektive machen für mich einen großen Teil der Stuttgarter Kulturszene aus.

Hier findet ihr Niclas im Netz:

  • Instagram
  • Der Staub der Straße

➡️ Mehr Kultur aus Stuttgart? Weitere Porträts und Interviews hier auf STUGGI.TV


Foto: Niclas Rüdiger




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