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Jung.Laut.Kreativ

Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an DJ AfroPunk

Die RedaktionDie Redaktion Veröffentlicht am 23. Juni 2026
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Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Sandra aka DJ AfroPunk – DJ, Veranstalterin, Kreativschaffende & Rapperin.

1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?

Ich bin Sandra aka DJ AfroPunk – DJ, Veranstalterin, Kreativschaffende und Rapperin aus Stuttgart.

Mich treibt vor allem die Frage an, wie Menschen durch Musik, Kultur und Begegnung zusammenkommen können. Ich liebe es, Räume zu schaffen, in denen Menschen tanzen, sich ausdrücken und neue Perspektiven entdecken können. Kreativität bedeutet für mich nicht nur Kunst zu machen, sondern auch Gemeinschaft zu gestalten.

2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?

Ich bin in einem Bass-Music-Haushalt aufgewachsen. Reggae, Dancehall, DnB und Soundsystem-Kultur waren bei uns zu Hause immer präsent. Meine ersten Konzerte und Festivals habe ich als Kind erlebt, mit General Levy, Seeed, Christopher Martin oder auf der Summerjam. Musik war für mich deshalb nie nur Unterhaltung, sondern immer auch Gemeinschaft, Kultur und Lebensgefühl.

Irgendwann hat mich mein Vater gefragt, ob ich nicht selbst mal auflegen möchte. Mein erster Gig war beim Irie Sunday im Goldmarks. Als ich dann häufiger als DJ in Clubs unterwegs war, ist mir aufgefallen, wie unsicher und übergriffig Tanzflächen sein können, für Männer, aber insbesondere für Frauen und marginalisierte Menschen. Viele Erfahrungen, die im Nachtleben als „normal“ gelten, sollten eigentlich nicht normal sein.

Aus diesem Frust heraus habe ich gemeinsam mit Freund*innen angefangen, eigene Veranstaltungen zu organisieren. Wir wollten Räume schaffen, in denen Musik, Community und ein respektvoller Umgang miteinander im Mittelpunkt stehen. Bis heute ist genau das ein wichtiger Antrieb für meine Arbeit.

3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?

Stuttgart ist für mich Heimat und Herausforderung zugleich.

Durch meinen Vater, der mit Lucky Punch Sound und gemeinsam mit Big G die Catch a Fire veranstaltet hat, durfte ich die Hochzeit von Reggae, Dancehall und HipHop in Stuttgart miterleben. Schon als Kind war ich nicht nur Gast, sondern oft auch hinter den Kulissen unterwegs. Ich habe an der Garderobe oder hinter der Bar gejobbt und Einblicke in eine Kulturszene bekommen, die die Stadt über viele Jahre geprägt hat.

Dabei habe ich Orte wie die Röhre mit der U-Turn, das Rocker 33 mit der Kingston Hot, das Zollamt, Landespavillion oder das Universum erlebt, Clubs und kulturelle Freiräume, die heute verschwunden sind. Nicht nur Nachtleben geht verloren, sondern auch ein Stück Subkultur, Begegnung und kulturelle Identität der Stadt.

Gleichzeitig hat Stuttgart bis heute unglaublich viele kreative Menschen, spannende Initiativen und starke Communities. Allein mit dem Flying Dubmen Soundsystem und dem King Crucial Soundsystem gibt es hier zwei Soundsystems, auf und um die herum ein wichtiger Teil der Stuttgarter Subkultur stattfindet. Sie schaffen Räume für Musik, Begegnung und kulturellen Austausch und zeigen, wie viel Leidenschaft und Eigeninitiative in dieser Stadt steckt.

Vieles entsteht jedoch trotz schwieriger Bedingungen. Oft muss man sich Räume erst erkämpfen oder selbst schaffen. Genau das hat mich geprägt. Vieles, was ich heute mache, ist aus dem Wunsch entstanden, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Räume aktiv mitzugestalten.

Stuttgart hat mich gelehrt, kreativ zu werden, Netzwerke aufzubauen und nicht darauf zu warten, dass jemand anderes die Strukturen schafft. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir als Stadt wieder mutiger werden, wenn es um Freiräume, Subkultur und kulturelle Vielfalt geht. Denn Kultur entsteht nicht von allein, sie braucht Orte, Menschen und die Möglichkeit, sich zu entfalten.

Foto: DJ AfroPunk

4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?

Was mich an der Stuttgarter Kreativszene begeistert, sind die vielen Menschen, Kollektive und Initiativen, die mit unglaublich viel Herzblut Kultur schaffen. Oft wird auf die Clubs geschaut, die verschwunden sind, aber gleichzeitig entstehen überall Menschen, die Verantwortung übernehmen, Veranstaltungen organisieren und ihre jeweilige Subkultur voranbringen.

Ich sehe Menschen, die sich für kulturelle Freiräume, Community-Events, Queerness, FLINTA*-Räume, HipHop, Soundsystem-Kultur und Kunst einsetzen. Das beeindruckt mich sehr, weil vieles davon ehrenamtlich oder unter schwierigen Bedingungen passiert. Nicht jede*r kann nach Berlin ziehen, deshalb finde ich es umso wichtiger, dass Menschen hier vor Ort Strukturen aufbauen.

Entwicklungspotenzial sehe ich vor allem im Austausch. Ich würde mir wünschen, dass sich Kollektive, Veranstaltende, Kulturschaffende und Räume wie Clubs noch stärker miteinander vernetzen. Viele kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen, oft aber nebeneinander statt miteinander. Außerdem sollten wir Clubsterben nicht nur aus einer wirtschaftlichen Perspektive betrachten, sondern auch aus einer sozialen. Natürlich spielen steigende Kosten, Gentrifizierung und fehlende Freiräume eine große Rolle. Gleichzeitig sollten wir uns aber auch fragen, warum Menschen teilweise wegbleiben.

Ich glaube, dass sowohl die zunehmende Vereinzelung unserer Gesellschaft als auch die wachsende Einsamkeit vieler Menschen dabei eine Rolle spielen. Gerade junge Menschen stehen unter finanziellem Druck, verbringen mehr Zeit online und haben oft weniger feste soziale Räume als frühere Generationen. Dazu kommen Unsicherheiten und negative Erfahrungen im Nachtleben, die Menschen davon abhalten können, auszugehen.

Dadurch wird es schwieriger, neue Menschen kennenzulernen, Gemeinschaft zu erleben und Kultur aktiv mitzugestalten. Clubs und kulturelle Orte sind deshalb nicht nur Orte zum Feiern, sondern auch wichtige soziale Räume. Wenn sie verschwinden, verlieren wir nicht nur Veranstaltungsorte, sondern auch Orte der Begegnung, Zugehörigkeit und Gemeinschaft.

Umso wichtiger finde ich Initiativen wie die Tanzdemo Stuttgart oder das Sunny High. Sie zeigen, dass Themen wie Subkultur, Freiräume, Sicherheit, kulturelle Teilhabe und Community zusammengedacht werden können. Genau solche Orte und Netzwerke brauchen wir, wenn wir möchten, dass Menschen wieder Lust bekommen, sich zu begegnen, gemeinsam zu feiern und Kultur aktiv mitzugestalten.

Ich glaube, Stuttgart hat unglaublich viel Potenzial. Die Menschen und die Ideen sind da. Jetzt müssen wir stärker zusammenarbeiten und die Strukturen schaffen, die diese Energie langfristig tragen können.

5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?

Gut läuft, dass es viele engagierte Menschen gibt, die trotz schwieriger Bedingungen Veranstaltungen, Projekte und kulturelle Begegnungen möglich machen.

Schwieriger wird es bei Freiräumen. Viele Kulturschaffende kämpfen mit steigenden Kosten, fehlenden Orten und begrenzten Ressourcen. Ich wünsche mir, dass Kultur stärker als gesellschaftlicher Mehrwert verstanden wird und nicht nur als Freizeitangebot. Kultur schafft Gemeinschaft, Identität und Teilhabe. Das sollte sich auch in politischen Entscheidungen widerspiegeln.

Foto: DJ AfroPunk

6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?

Gemeinsam mit Adrian Dub habe ich ein Producer-Duo – Lowkey Loud Productions gegründet, in dem wir Bass Music und HipHop produzieren und veröffentlichen. Außerdem habe ich angefangen zu rappen. Zusammen mit meinem Bruder Benztown Kesho ist vor Kurzem die Single „Bangaman“ entstanden und weitere Releases sind in Arbeit.

Neben der Musik organisiere ich verschiedene Veranstaltungsreihen. Mit Lowkey Loud veranstalte ich unter anderem Events in einem 24h-Kiosk am Marienplatz, in der Anderthalb Bar und im Mash. Dazu gehören Formate wie unsere After-Work-Reihe „Spin That Shit“, bei der Tischtennis, Musik und Community zusammenkommen, aber auch Boiler-Room-ähnliche Events an ungewöhnlichen Orten. Gemeinsam mit Nomi Wiesner plane ich beispielsweise eine Ausgabe in einem Afroshop.

Mit auf.cute veranstalten wir Community- und Kulturformate, die Begegnung, Austausch und kreative Freiräume fördern. Außerdem organisiere ich gemeinsam mit Ridal Carel Tchoukuegno am 17. Oktober die „Nacht der Vielfalt“ – eine afrodiasporische Literaturreise mit den Autor*innen Jasmina Kuhnke und David Mayonga alias Roger Rekless sowie der Sängerin T’neeya und Band.

Gemeinsam mit meinem Vater führe ich unter Lucky Punch mit dem Irie Sunday eine der am längsten laufenden Partyreihen Stuttgarts im Sunny High fort. Außerdem vernetzen wir uns mit anderen großartigen DJs und Kollektiven bei Veranstaltungen an Orten wie dem Waldheim Gaisburg unter anderem mit der Rail Road Crew, den Flying Dubmen und der Bassbezirk Crew.

Mir macht es Spaß, verschiedene Menschen, Szenen und Ausdrucksformen zusammenzubringen. Genau daran arbeite ich auch in Zukunft weiter.

7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?

Musik: Omar Jatta, Queen Lizzie, Mein Bruder Benztown Kesho – checkt unbedingt unseren Song „Bangaman“ (with DJ AfroPunk) aus

Buch: Statt nur einzelne Bücher zu empfehlen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf die Autor*innen aufmerksam zu machen, die wir bei der „Nacht der Vielfalt“ zu Gast hatten oder noch zu Gast haben werden.

In der kommenden Ausgabe freuen wir uns auf:

  •  Jasmina Kuhnke – Schwarzes Herz
  • David Mayonga (Roger Rekless) – Ein N*** darf nicht neben mir sitzen

Aus vergangenen Ausgaben empfehle ich:

  • Melanelle B. C. Hémêfa – Blues in Schwarz Weiß
  • Betiel Berhe – Nie mehr leise
  • Natasha A. Kelly – Schwarz. Deutsch. Weiblich.
  • JJ Bola – Sei kein Mann
  • Dr. Emilia Roig – Why We Matter
  • Josephine Apraku – Kluft und Liebe

Wer die Möglichkeit hat, sollte zur Nacht der Vielfalt kommen, die Autor*innen live erleben, mit ihnen ins Gespräch kommen und vielleicht direkt ein Buch mit nach Hause nehmen. Literatur schafft Perspektivwechsel, Empathie und Austausch, und genau darum geht es bei der Nacht der Vielfalt.

Podcast: Radio Show – brown Sugar von Nomi Wiesner und “zycho” podcast Xhem (Xhemajl)

Ort: Sunny High und das Prisma mit dem Kiosk, Waldheim Gaisburg – besonders im Sommer. Meine Partys – kommt mal zum 24h Kiosk – fühlt sich an wie eine Block Party.

Veranstaltung: Da wo chief queef ist. Art.Soul. Rapplebox0711. Ausstellungen im StadtPalais. Rail Road Sessions, Feuerseefest, Bassbezirk, die Tanzdemo Stuttgart und generell Veranstaltungen, die Community, Kultur und Begegnung in den Mittelpunkt stellen. Und alle meine Veranstaltungen.

Empfehlung: Geht auf lokale Konzerte, besucht kleine Kulturveranstaltungen und unterstützt die Menschen, die Kultur in eurer Stadt möglich machen. Oft passiert das Spannendste direkt vor der eigenen Haustür.

Hier findet ihr DJ AfroPunk im Netz:

  • Instagram
  • TikTok
  • SoundCloud
  • Nacht der Vielfalt 

➡️ Mehr Kultur aus Stuttgart? Weitere Porträts und Interviews hier auf STUGGI.TV


Foto: DJ AfroPunk




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