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Jung.Laut.Kreativ

Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an Thorsten Neumann

Die RedaktionDie Redaktion Veröffentlicht am 31. März 2026
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Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Thorsten Neumann, Leiter des Werkstatthauses.

1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?

Ich bin Hausleiter des Werkstatthauses Stuttgart, einer Einrichtung der Stuttgarter Jugendhaus gGmbH. Das Werkstatthaus ist eine offene Plattform für Handwerk, Kunst und kulturelle Bildung. Mich interessiert besonders die Verbindung von Kunst, Handwerk, Jugendarbeit und Popkultur. Mich treibt die Frage an, wie Orte entstehen können, an denen Menschen nicht nur Kultur konsumieren, sondern selbst aktiv werden.

Werkstätten spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie einen direkten Zugang zum eigenen kreativen Arbeiten ermöglichen. Im Werkstatthaus versuchen wir genau das zusammenzuführen: künstlerische Praxis, handwerkliches Arbeiten und offene kulturelle Formate, die für unterschiedliche Menschen zugänglich sind – von Jugendlichen bis zu professionellen Künstler*innen.

Mich interessiert besonders, wie solche Orte im städtischen Raum wirken können und wie man Freiräume schafft, in denen experimentiert werden darf und neue Ideen entstehen können. Kurz gesagt: Mich interessiert, wie man Kunst, Handwerk und Jugendarbeit zusammenbringen kann – und daraus Orte entstehen, an denen Menschen selbst kreativ werden.

2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?

Mein Zugang zu Kultur kam über die Skate-, Punk- und Hardcore-Szene. Dort habe ich früh gelernt, Dinge selbst zu machen: Konzerte organisieren, kleine Festivals veranstalten und ein eigenes Hardcore-Fanzine herausgeben. Später kamen eine Mailorder und eine kleine Konzertagentur dazu, mit der wir Bands durch Europa auf Tour geschickt haben. Parallel dazu habe ich immer auch eigene Bands gegründet und gespielt.

In den frühen 2000er-Jahren verlagerte sich mein Interesse zunehmend von der Musikszene in Richtung Kunst und Popkultur. Gemeinsam mit Freunden gründete ich die Agentur Gold & Wirtschaftswunder, mit der wir gestalterische Konzepte für kulturelle Projekte entwickelten. Parallel dazu starteten wir im Club Colibri in Stuttgart die Partyreihe „Kinski“.

Aus dieser Reihe entstand schließlich der Club Rocker 33, dessen Geschäftsführer ich von 2004 bis 2011 war. Parallel dazu begann ich mich intensiver mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen und gründete meinen ersten Projektraum. Daraus entwickelte sich der Projektraum Self Service, den ich von 2008 bis 2012 in der Stuttgarter Innenstadt betrieben habe.

Aus diesem Umfeld entstand später die Palermo Galerie, die ich bis heute an wechselnden Orten betreibe. Aktuell befindet sie sich im Prisma in der ehemaligen Schwaben-Bräu-Passage in Bad Cannstatt. Außerdem habe ich gemeinsam mit Christian Schiller die Dresden Bar gegründet, deren Geschäftsführer ich ein Jahr lang war.

Zwischen 2019 und 2021 arbeitete ich außerdem im Landesmuseum Württemberg und war dort für das Marketingkonzept der großen Landesausstellung „Fashion?!“ zuständig. Mode begleitet mich schon seit meiner Jugend. Auch wenn ich die Industrie kritisch sehe, fasziniert mich bis heute das Spiel mit Identitäten, Codes und kulturellen Zeichen.

Was mich antreibt, ist letztlich der Wunsch, Orte zu schaffen, an denen Dinge entstehen können, die nicht unbedingt dem Mainstream folgen.

40 Jahre Werkstatthaus Stuttgart – Raum für kreative Projekte (Foto: STUGGI.TV)

3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?

Ich bin in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Groß geworden bin ich in den Hochhäusern direkt hinter dem Hauptbahnhof. In den 90er-Jahren war das dort so etwas wie ein kleines Epizentrum der Subkultur: das Zapata, das erste M1, damals einer der besten Techno-Clubs Deutschlands, dazu eine Minirampe im ehemaligen Südmilch-Areal und ständig irgendwelche illegalen Partys.

Mit dem Skateboard konnte ich praktisch überall hinrollen. Diese Mischung aus Stadt, Subkultur und improvisierten Freiräumen hat mich stark geprägt.

Mit Stuttgart verbindet mich bis heute eine Hassliebe. Wahrscheinlich gerade weil die Stadt kulturell oft eher wenig zu bieten hatte, habe ich früh angefangen, selbst Dinge zu organisieren und aufzubauen.

4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?

Das kann ich schwer allgemein beantworten. Ich nehme vor allem wahr, was in meinem direkten Umfeld passiert.

Im Moment sind das vor allem das Werkstatthaus und das Prisma in Bad Cannstatt. Das Prisma ist für mich derzeit einer der wenigen Orte in Stuttgart, an denen so etwas wie Subkultur stattfindet. Gleichzeitig arbeiten dort auch verschiedene gesellschaftliche und politische Initiativen. Diese Mischung macht den Ort spannend.

Was Stuttgart meiner Meinung nach braucht, sind mehr Freiräume für Experimente. Orte, an denen Dinge entstehen dürfen, ohne sofort wirtschaftlich funktionieren zu müssen.

Foto: Werkstatthaus

5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?

Wenn ich auf die junge zeitgenössische Kunst schaue, sehe ich gerade nicht besonders viel Neues entstehen. Obwohl es eigentlich viel Leerstand gibt, entstehen erstaunlich wenige neue Projekträume. Auch die Clublandschaft wirkt im Moment eher schwach. Einen Club zu betreiben scheint für die Generation Z nicht mehr besonders attraktiv zu sein.

Stuttgart konzentriert sich stark auf große Institutionen und Premium-Kultur. Kleine unabhängige Projekträume und Initiativen haben es dagegen schwer. Vieles basiert auf Idealismus – und nicht selten auch auf Selbstausbeutung.

6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?

Gerade arbeiten wir am Jahresprogramm der Palermo Galerie und parallel an neuen Projekten im Werkstatthaus.

Mir ist wichtig, dass das Werkstatthaus weiterhin im städtischen Raum präsent bleibt und sich noch stärker in der Kunst- und Kulturlandschaft der Stadt verankert. Ich sehe es als einen Ort, an dem Kunst, Handwerk und Öffentlichkeit zusammenkommen.

Foto: Werkstatthaus

7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?

Ich lese viel und bin ein ziemlicher Filmjunkie – deshalb fällt es mir schwer, nur ein paar Dinge herauszugreifen. Ich freue mich sehr auf den neuen Film von Richard Linklater – „Nouvelle Vague“. Und auf die Ausstellung von Cyprien Gaillard im Kunsthaus Bregenz, die vom 13. Juni bis 4. Oktober 2026 zu sehen sein wird.

 

Hier findet ihr alles zum Werkstatthaus im Netz:

  • Website 
  • Instagram

 

➡️ Mehr Kultur aus Stuttgart? Weitere Porträts und Interviews hier auf STUGGI.TV


Foto: Werkstatthaus Stuttgart




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