Abgeschobener irakischer Student darf zurück nach Stuttgart
Die mehrstündige Fahrt zum deutschen Konsulat im irakischen Erbil hat sich dieses Mal gelohnt: Ramzi Awat Nabi hat dort am Morgen tatsächlich sein lang ersehntes Studentenvisum erhalten. Gültig für ein Jahr. Schon am Sonntagmittag könnte der 24-Jährige wieder in Stuttgart landen.
Der Fall Ramzi
Die Abschiebung des gesetzestreuen Einser-Abiturienten aus seinem Studentenwohnheim in Stuttgarter hatte Mitte letzten Jahres bundesweite Aufmerksamkeit geweckt. Über Nacht wurde der Student damals von den deutschen Behörden in den Irak abgeschoben. (STUGGI.TV berichtete). Dass ein gut integrierter Student, der nach drei Jahren auf dem Gymnasium ein Abitur mit der Note 1,5 abgelegt und mehrere Auszeichnungen erhalten hatte, trotz Fachkräftemangels abgeschoben wurde, stieß vielerorts auf Unverständnis. Sein Bruder, ehemalige Lehrer, Komiliton*innen und zahlreiche weiterer Unterstützer*innen haben sich seither für seine Rückkehr eingesetzt. Weitaus weniger kooperativ zeigten sich die zuständigen Behörden im In- und Ausland. Der zentrale Streitpunkt blieb lange die Identitätsklärung. Fehlende oder falsch bewertete Dokumente hatten das Verfahren über Jahre blockiert. Mittlerweile liegen alle erforderlichen Unterlagen vor – echt und anerkannt.
Rückkehr in den nächsten Tagen
Jetzt überwiegt endlich die Erleichterung. Ramzi Awat Nabi darf zurück nach Stuttgart, zurück an die Universität, zurück zu seinem Bruder und zu den vielen Menschen, die für ihn gekämpft haben. „Die Erleichterung kann ich gar nicht in Worte fassen“, so sein Bruder gegenüber STUGGI.TV. „Ich fühle mich wie neugeboren, weil ich weiß, dass ich meinen Bruder wieder in die Arme schließen kann.“ Auch seine Mitbewohner im Studentenwohnheim in Vaihingen, seine ehemaligen Lehrer*innen und Freund*innen können nach einem monatelangen Albtraum endlich aufatmen.
Fragen zur Abschiebepraxis bleiben offen
Warum allerdings potenzielle Fachkräfte wie Ramzi immer wieder Ziel von Abschiebungen sind, während die immer wieder angekündigte und geforderte Abschiebung von Straftätern nach wie vor nur schleppend vorankommt, bleibt eine Frage an die Behörden. Zwar kündigen Innenminister in Bund und Ländern regelmäßig verstärkte Abschiebungen von Straftätern an, tatsächlich trifft es jedoch allzu oft Menschen wie Ramzi, die sich dem Zugriff der Behörden durch einen festen Wohnsitz, ein Studium oder eine geregelte Arbeit nicht entziehen – und damit leichter zur Erfüllung von Abschiebequoten beitrage.
Foto: Privat














