Am selben Tag, an dem weltweit für Gleichberechtigung demonstriert wird, entscheidet Baden-Württemberg über einen neuen Landtag. Ein guter Moment für eine Bestandsaufnahme: Wie steht es eigentlich um die Frauen im Parlament?
100 Jahre Frauenwahlrecht und was jetzt?
Seit über 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen, seit 77 Jahren ist die Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert und trotzdem sind Frauen in Parlamenten bis heute unterrepräsentiert. Würde die Politik den Bevölkerungsanteil widerspiegeln, müssten rund 50 Prozent der Abgeordneten weiblich sein. Davon ist Deutschland noch weit entfernt. In den Landesparlamenten lag der Frauenanteil lange extrem niedrig. Erst ab Mitte der 1980er-Jahre überschritt er überhaupt die Zehn-Prozent-Marke. Bis 2004 pendelte sich der Schnitt in den Ländern bei etwa 30 Prozent ein. Parität? Fehlanzeige.
Ein Blick auf Baden-Württemberg
Der Landtag von Baden-Württemberg galt viele Jahre als Schlusslicht beim Frauenanteil. Aktuell sitzen dort 154 Abgeordnete, davon 50 Frauen (32,5 Prozent). Damit liegt Baden-Württemberg inzwischen im Mittelfeld. An der Spitze des Parlaments steht mit Muhterem Aras eine Frau, eine Ministerpräsidentin gab es im Südwesten jedoch noch nie. Immerhin: Das aktuelle grün-schwarze Kabinett ist mit sechs Ministerinnen und sechs Ministern paritätisch besetzt, also gleichmäßig zwischen Frauen und Männern. Auch bei den Staatssekretär:innen liegt der Frauenanteil bei 43 Prozent.
Änderung des Wahlsystems = mehr Frauen im Landtag?
2022 wurde das Wahlsystem in Baden-Württemberg reformiert. Bisher hatte jede:r Wähler:in nur eine Stimme für eine:n Direktkandidat:in. Ab der Landtagswahl 2026 gibt es zwei Stimmen – ähnlich wie bei der Bundestagswahl: Erststimme für eine:n Direktkandidat:in, Zweitstimme für eine Partei bzw. deren Landesliste.
Die Hoffnung: Über die Listenplätze können die Parteien gezielter für mehr Ausgewogenheit sorgen. Zum Beispiel durch abwechselnde Besetzung mit Frauen und Männern. Eine gesetzliche Pflicht zur Parität gibt es zwar nicht, Befürworter:innen der neuen Regelung hoffen jedoch, dass dadurch mehr Vielfalt im Landtag sichtbar wird.
Bewerber:innenlage für die Landtagswahl 2026
Von insgesamt 1.184 Kandidierenden sind rund 37 Prozent Frauen (plus 1 diverse Person). Den höchsten Frauenanteil haben Linke, Grüne und CDU – die AfD liegt deutlich hinten.
Am Wahltag mitentscheiden
Weltfrauentag und Landtagswahl am selben Tag, symbolischer geht es kaum. Beim Thema politische Repräsentation von Frauen ist noch viel Luft nach oben. Wie ausgewogen der neue Landtag am Ende wirklich sein wird, liegt auch in den Händen der Wähler:innen. Ein guter Grund also, am Sonntag aktiv seine Stimme abzugeben und mitzubestimmen.
VIDEO: Grüne vs. Linke im STUGGITV-Duell
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Foto: STUGGI.TV














