Die Kulturszene in Stuttgart lebt von Menschen mit Ideen, Haltung und Lust, etwas zu bewegen. In unserem neuen Format „Jung. Laut. Kreativ. – 7 Fragen an …“ lernen wir sie kennen – persönlich und auf den Punkt, in sieben Fragen. Heute dabei: Nora Belmadani, Kuratorin an der Staatsgalerie Stuttgart
1. Wer bist du und was treibt dich kreativ an?
Nora Sophie Belmadani, Kuratorin für italienische und französische Graphik bis 1800 an der Staatsgalerie Stuttgart. Mich fasziniert, wie Zeichnungen und Drucke aus vergangenen Jahrhunderten Einblicke in die Denkweise und Kultur ihrer Zeit geben. Kreativ zu sein bedeutet für mich, diese Spuren heute wieder lebendig zu machen – durch Ausstellungen, Publikationen und Vermittlung. Manchmal fühlt sich das auch ein bisschen wie Sherlock-Holmes-Arbeit an.
2. Wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?
Ich habe Kunstgeschichte in meiner Heimatstadt Straßburg studiert. Schon in der Schule war das mein Lieblingsfach, und daraus wurde schnell eine echte Leidenschaft. Durch Praktika habe ich schließlich das Kuratieren entdeckt – eine Arbeit, die Forschung, Präsentation und den direkten Umgang mit Kunst verbindet.

Foto: Staatsgalerie Stuttgart
3. Welche Rolle spielt Stuttgart (oder die Region) für dein Schaffen?
Stuttgart ist zentral für meine Arbeit, weil hier die Staatsgalerie beheimatet ist. Sie wurde 1843 von König Wilhelm I. als „Museum der Bildenden Künste“ gegründet und basiert auf den ehemaligen königlichen Sammlungen. Mit diesen historischen Beständen zu arbeiten bedeutet, ein wichtiges kulturelles Erbe zu bewahren. Gleichzeitig bietet Stuttgart eine lebendige Kunstszene, die Austausch und Inspiration ermöglicht.
4. Was würdest du sagen, zeichnet die Stuttgarter Kreativszene aus & wo siehst du Entwicklungspotenzial?
Die Szene ist sehr professionell, mit einem starken Fokus auf Qualität und Handwerk. Entwicklungspotenzial sehe ich vor allem bei Sichtbarkeit und Vernetzung – mehr gemeinsame Plattformen und interdisziplinäre Projekte könnten die Szene noch dynamischer machen.
5. Stuttgart und Kultur: Wo läuft’s gut und wo läuft’s gerade komplett schief?
Stuttgart hat starke kulturelle Institutionen wie die Staatsgalerie, das Kunstmuseum oder die Staatsoper, die international wahrgenommen werden. Schwieriger ist es oft für kleinere Initiativen und experimentelle Projekte, die weniger Förderung und Sichtbarkeit bekommen.

Foto: Staatsgalerie Stuttgart
6. Woran arbeitest du gerade und was steht als Nächstes an?
Aktuell arbeite ich an zwei Kabinettausstellungen in der Staatsgalerie. Parallel dazu forsche ich an französischen Zeichnungen aus unserer Sammlung und arbeite daran, neue Werke zu entdecken und zu dokumentieren. Als Nächstes stehen weitere Ausstellungen und neue Entdeckungen in unseren Beständen an.
7. Was sind deine kulturellen Empfehlungen?
Musik: Exile on Main St. – The Rolling Stones. Eines meiner absoluten Lieblingsalben. Ich höre es immer wieder gerne.
Buch: Eine einzige Empfehlung ist schwierig. Besonders ans Herz legen würde ich Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow sowie L’été – suivi des Noces von Albert Camus.
Podcast: ArtCurious – Ein unterhaltsamer Podcast über Kunstgeschichte mit spannenden Geschichten und überraschenden Perspektiven auf bekannte Werke.
Ort: Die Staatsgalerie Stuttgart – obviously oder Die Staatsoper.
Veranstaltung: Vernissage- Immer eine gute Gelegenheit, neue Kunst zu entdecken, Künstlerinnen und Künstler kennenzulernen und die lokale Szene zu erleben.

Foto: Staatsgalerie Stuttgart
Was steht als Nächstes in der Staatsgalerie an:
Die Ausstellung „Generation 1700. Zeichnen an der Königlichen Akademie in Paris“ zeigt, wie Künstler an der Pariser Kunstakademie Zeichnen gelernt und dabei Anatomie mit kreativem Ausdruck verbunden haben. Dabei geht’s auch um eine Zeit großer Veränderungen, in der Zeichnen ein Mittel für neue Ideen und mehr Freiheit wurde.
Good to know:
In der Bibliothek der Staatsgalerie kannst du in über 130.000 Medien zu Kunst aus allen Epochen stöbern – von Büchern und Zeitschriften bis hin zu Ausstellungs- und Künstlerkatalogen. Neuere Publikationen sind online recherchierbar, und sogar ein umfangreiches Archiv zu Marcel Duchamp gehört dazu. Alle Infos gibt’s hier!
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Foto: Staatsgalerie Stuttgart













