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Kommentar SPORT

Vom Champion in die Bedeutungslosigkeit: Was bleibt vom Football-Hype in Stuttgart?

Jule MüllerJule Müller Veröffentlicht am 20. Februar 2026
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Vor sechs Monaten war Stuttgart noch Champion von Europa und heute ist unsere Stadt als American Football-Standort fast bedeutungslos. Während die Bosse von drei europäischen Ligen um Teams und Spieler kämpfen, stellt sich den Fans in Stuttgart die Frage: Ist die Zeit des American Footballs im Kessel vorbei? Ein Kommentar.

Nach dem größten Erfolg folgt das Chaos

Es fühlt sich immer noch surreal an: Da gewinnt ein Team die wichtigste Trophäe des europäischen Footballs, elektrisiert Fans in der ganzen Region und kurz darauf ist einfach Schluss. Damals war die große Frage: Kommt die Franchise doch nochmal zurück? Heute ist klarer denn je: 2026 gibt es in Stuttgart keinen klassischen 11-gegen-11-Football mehr auf Top-Niveau.

Letzte Hoffnung: Stuttgart Stallions?

Der klare Gewinner von diesem Insolvenz-Chaos? Die German Football League. Viele Ex-Surge-Spieler, die uns den Titel brachten, sind jetzt zu GFL-Teams in der Umgebung wie den Schwäbisch Hall Unicorns oder den Pforzheim Wilddogs abgewandert und stärken die Liga sportlich enorm. Plötzlich wirkt die GFL stabiler als die europäische Liga – denn die Strukturen sind dort gewachsen und die Vereine verwurzelt. Aber: Stuttgart spielt dabei keine Rolle. Kein GFL-Team, kein ELF-Team, kein EFA- oder AFLE-Standort. Was bleibt uns stattdessen? Die International Arena League mit den Stuttgart Stallions und auch mit Surge-Gesichtern wie Nikolas Knoblauch oder Thiago Siebert. Arena Football ist schneller, kompakter und spektakulärer. Für manche vielleicht sogar attraktiver. Aber es ist eben kein klassischer 11-gegen-11 Outdoor-Football, den die Surge-Fans gefeiert haben. Das ist bitter für eine Stadt, die 2025 noch Football-Hauptstadt Europas war. 

Das Ligen-Chaos: Wer blickt da noch durch?

Die Insolvenz der Stuttgart Surge war dabei nur ein Symptom eines viel tiefer liegenden Problems vom American Football in Europa: Sportlich die Nummer eins, wirtschaftlich ein Kartenhaus, das gerade in sich zusammenfällt. Was daraus entstanden ist? Drei Ligen, die sich gegenseitig bekämpfen. Wer aktuell versucht, den europäischen Football zu verstehen, braucht fast ein Studium. Schaut man in die Kommentarspalten auf Instagram, liest man überall dasselbe: “Ich blick da nicht mehr durch”. Und mal ehrlich, wer kann es den Fans verübeln? Aktuell haben wir die ELF (die quasi nur noch aus wenigen Teams besteht und ums Überleben kämpft), die EFA (die sich gerade erst endgültig von der ELF abgespalten hat) und die AFLE (die mit großen Versprechen aus den USA lockt). Drei Ligen für einen Sport, der in Europa sowieso schon um jeden Sponsor kämpfen muss? Ich sehe es wie die Menschen auf Instagram: “Das kann doch nicht funktionieren”. Man hat das Gefühl, dass hier gerade Egos wichtiger sind als der Sport selbst.

Vertrauen verspielt, Fans verjagt?

Was die Verantwortlichen hinter den Kulissen scheinbar vergessen: Football lebt von der Community. Aber wie soll man ein Team supporten, wenn man nicht mal weiß, ob die Liga in zwei Monaten noch existiert? Drei Ligen, Insolvenzen und Kehrtwenden: Dieses ganze Hin-und-Her schreit nicht gerade nach Sicherheit und Beständigkeit, die nicht nur die Fans, sondern natürlich auch Coaches und Spieler verdienen. Vertrauen wächst so auf jeden Fall nicht – eher im Gegenteil. Für alle Fans, die Lust auf American Football haben, ist dieses Chaos einfach nur abschreckend. Und wer vorher noch nicht im Thema drin war, will sich der Sportart inmitten dieses Durcheinanders sicherlich nicht annähern.

Tradition in der Warteschleife

Viele in Stuttgart blicken zu dieser Zeit auf die Stuttgart Scorpions. Es ist fast ironisch: Da gibt es einen Verein mit viel mehr Geschichte und Tradition als die Surge, aber er ist aktuell in der Regionalliga meilenweit von dem Niveau entfernt, das wir letztes Jahr noch als Football-Champions gefeiert haben. Und natürlich macht ein amtierender ELF-Champion keinen Schritt zurück in die 3. Liga, wenn die GFL oder eine andere europäische Top-Liga anklopft. Aber trotzdem wirft das Ganze eine unbequeme Frage auf: Hätte man in Stuttgart früher reagieren und die Gunst der Stunde nutzen müssen, um den Football in der Stadt auf ein Fundament zu stellen, das solche Spieler hält? Bevor die Champions in alle Richtungen davonlaufen? Tja, dafür ist es jetzt leider auch zu spät.

Zukunft ungewiss

Vielleicht ist dieser große Umbruch im American Football in Europa ja auch notwendig. Vielleicht entsteht daraus eine stabilere, ehrlichere Football-Landschaft. Aber bei der aktuellen Lage ist das noch unvorstellbar. Für die Stadt Stuttgart bleibt vor allem die Erinnerung an eine unglaubliche Saison und die Hoffnung, dass wir irgendwann in naher Zukunft wieder American Football auf Spitzen-Niveau sehen, der auf stabilen Beinen steht.

VIDEO: Vor Championship-Sieg und Insolvenz: Quarterback Reilly Hennessey im STUGGI.TV-Interview

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Foto: STUGGI.TV




Jule Müller
Redakteurin

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