Comeback der Stallions: Arena Football kommt nach Stuttgart
Nachdem die Stuttgart Surge im vergangenen November Insolvenz anmelden musste, kündigt sich in der Stadt nun das nächste Football-Projekt an: Die Stuttgart Stallions feiern nach fast 30 Jahren ihr Comeback, allerdings nicht im klassischen American Football, sondern im Arena Football. Was hinter der Sportart steckt und warum die International Arena League noch große Zweifel weckt, erfahrt ihr hier.
Großes Liga-Projekt…
Bei einer Pressekonferenz präsentierten Head Coach Keith Hilson und Football-Spieler/Content Creator Benjamin Barnes ihre Zukunftspläne für die Stuttgart Stallions. Die International Arena League (IAL) wurde seit September 2025 in Las Vegas aufgebaut und soll Arena Football international auf die Karte bringen. Im Gegensatz zu klassischen Vereinsstrukturen ist die Liga zentral gesteuert, inklusive Sponsoring, Merchandising und Ticketing – ein Ansatz, von dem sich die Verantwortlichen mehr Stabilität erhoffen. Zudem plant die IAL, die Fanbasis langfristig zu stärken, unter anderem durch Treueaktionen wie eine kostenlose Dauerkarte für Fans des Meisterteams.
… und große Zweifel
Doch noch gibt es in Stuttgart kein fertiges Team, das gemeinsam trainieren kann. Bis zum Saisonstart am 25. April müssen die Stallions also erstmal Spieler verpflichten, Trainings organisieren und Strukturen aufbauen. Trotzdem versprechen Hilson und Barnes große Chancen: Laut dem Content Creator können Profis in der IAL in einem Monat so viel verdienen wie in fünf Jahren ELF. Und die Meister sollen sich sogar zwei Millionen Dollar Preisgeld untereinander aufteilen. Kein Wunder also, dass die Zweifel an der Seriosität des Projekts groß sind. Trotz der Versicherung von Barnes, dass es faire, spielerfreundliche Verträge gebe und alle bisherigen Zusagen eingehalten wurden, bleibt das Gefühl zurück: Klingt irgendwie „too good to be true“.
Die International Arena League
Die neu gegründete International Arena League (IAL) hat ihren Hauptsitz in Las Vegas. Mit dabei sind Teams aus den USA, Großbritannien, Deutschland und der Schweiz, Kanada soll in Zukunft folgen. Neben den Stuttgart Stallions tritt auch ein Team aus Düsseldorf an, perspektivisch plant die Liga jedoch, deutlich zu wachsen: allein in Deutschland sollen bis zu sechs Teams entstehen. Gespielt wird – wie der Name schon sagt – indoor in einer Arena. In Stuttgart finden die Heimspiele in der Schleyer-Halle statt. Der Saisonstart ist für den 25. April geplant. Jedes Team absolviert 14 Partien in der Regular Season, bevor es in die Playoffs geht. Am Ende soll ein internationales Finalturnier die besten Teams weltweit gegeneinander antreten lassen.
Was ist Arena Football überhaupt?
Arena Football unterscheidet sich deutlich vom klassischen American Football. Gespielt wird indoor auf Kunstrasen, begleitet von Musik, Lichtshow und Fan-Interaktion. Barnes fasst es so zusammen: „Über drei Stunden gute Laune, Musik und Tanz.” In der Schleyer-Halle wollen die Stallions zudem auf Stuttgart-Flair setzen, zum Beispiel mit einem regionalen Stadionsprecher. Auch die Regeln sind anders: Statt 11 gegen 11 stehen sich nur 8 Spieler pro Team gegenüber, das Spielfeld ist kleiner und das Spiel dadurch schneller. Die Seitenbande markiert das Aus, kann aber – ähnlich wie im Eishockey – als Tackling-Fläche genutzt werden. Das macht Arena Football körperlicher und für Zuschauer oft spektakulärer. Dank kürzerer Spielzeit, schnellen Punktwechseln und hoher Scoring-Chancen versteht sich das Format als Sport-Event und soll gezielt auch Familien ansprechen.
Die Geschichte der Stuttgart Stallions
Die Stuttgart Stallions haben in der Landeshauptstadt eine lange Tradition und genau an diese Fan-Kultur will das Team rund um Head Coach Keith Hilson nun wieder anknüpfen. Gegründet 1980 waren die Stallions das erste American-Football-Team in Baden-Württemberg. Bereits zwei Jahre später folgten die Stuttgart Scorpions, dann kamen die Büsnau Bats (später: Stuttgart Bats) als weiterer Verein dazu. 1997 schlossen sich die Stallions und die Bats schließlich zu den Stuttgart Silver Arrows zusammen. Mit der Insolvenz der Surge gibt es aktuell keine professionelle Football-Mannschaft mehr in Stuttgart und genau hier sehen die Stallions ihre Chance, Football zurück in die Stadt zu bringen.
So soll es jetzt weitergehen
Nach Stationen bei Frankfurt Galaxy, Stuttgart Surge, Rhein Fire und Cologne Centurions ist Wide Receiver Benjamin Barnes für die Stallions nach Stuttgart zurückgekehrt. Obwohl er schon lange Football spielt, muss auch er sich mit Arena Football erstmal vertraut machen. Aktuell heißt es deshalb: Tape schauen, Regeln lernen und Gewohnheiten umstellen. Auch das Team an sich ist noch im Aufbau. Stand jetzt hat Head Coach Keith Hilson erst 7 von 25 Spielern unter Vertrag. Um vor allem lokale Talente zu finden, plant er ein Mini-Combine in Stuttgart. Dort sollen sich Athleten vorstellen können, die den Kader verstärken wollen. Zudem versucht das Team, ehemalige Surge-Spieler sowie Namen aus Europa zu gewinnen. Ein klarer Pluspunkt: Die Bezahlung, die den Sport laut Hilson über das Hobby-Level hinausheben soll. Langfristig soll ein Jugendsystem entstehen, das Nachwuchs früh an die Sportart heranführt.
Tickets & Übertragung
Die International Arena League steckt noch in den Startlöchern. Entsprechend rechnen Hilson und Barnes nicht damit, die Schleyer-Halle von Beginn an zu füllen. Zum Saisonende im Juli hoffen sie jedoch auf steigendes Interesse: 2.000 bis 3.000 Fans pro Spiel wären das Ziel. Die Ticketpreise sollen je nach Sitzplatz zwischen 80 und 340 Euro liegen. Außerdem sollen die Spiele live übertragen werden, voraussichtlich auf Twitch und Kick.
Ob die Stallions ein neues Football-Kapitel in Stuttgart aufschlagen oder sich die Zweifel am Ende bewahrheiten, zeigt sich ab dem 25. April, wenn die Mission Arena Football offiziell losgeht!
VIDEO: Ein Blick zurück – So kämpften sich die Surge ins ELF‑Halbfinale
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Foto: STUGGI.TV














