VfB Stuttgart bricht Mitgliederversammlung wegen technischer Probleme ab

Der VfB Stuttgart hat am Sonntagabend seine Mitgliederversammlung aufgrund technischer Probleme bei der WLAN-Abstimmung abbrechen müssen. Unter einem gellenden Pfeifkonzert und mit Sicherheitsschutz verließ VfB-Präsident Wolfgang Dietrich das Podium. Zuvor hatte der Präsident im Verlauf der Aussprache herbe Kritik von Teilen der Mitglieder einstecken müssen. 

VON DAVID RAU

Als die erste Abstimmung über einen Abbruch der Aussprache auf der Mitgliederversammlung ansteht, kommt es zu einer peinlichen Panne. Die Mitglieder sollen via Smartphone voten, doch wegen technischer Probleme ist kein Login in das für die Abstimmung nötige VfB-WLAN möglich. Nach über zwanzig Minuten verkündet Präsident Dietrich, die Debatte zunächst fortzusetzen, bis die Abstimmung technisch möglich sei. Nachdem ein zweiter Abstimmungsversuch scheiterte, zog sich das Präsidium zunächst zur Beratung zurück, ehe es kurze Zeit später aufs Podium zurückkehrte.

VfB-Fans auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart (Foto: STUGGI.TV)

Wolfgang Dietrich bricht Mitgliederversammlung ab

„Ich hätte nicht gedacht, dass es nach dem Abstieg noch zu einem weiteren schwarzen Tag kommt“, so startete VfB-Präsident Wolfgang Dietrich die Mitteilung über den völlig unerwarteten Abbruch der Mitgliederversammlung in der Mercedes-Benz-Arena. Die WLAN-Stabilität war so schlecht, dass keine elektronische Abstimmung über das Smartphone durchgeführt werden konnte. Da das VfB-Präsidium keinen Plan B vorweisen konnte, blieb keine Chance, die Versammlung ordnungsgemäß fortzuführen. Nach Informationen des Onlinesenders STUGGI.TV wird die „Ersatz“-Mitgliederversammlung frühestens Mitte September einberufen.


++ Das Video zum Abbruch der VfB-Mitgliederversammlung hier ++


„Wir haben Fehler gemacht und das tut mir persönlich sehr leid“

Der erste von vielen Berichten kommt von Marketingvorstand Jochen Röttgermann, der sich im Bezug auf den Abstieg selbstkritisch zeigt: „Wir haben Fehler gemacht und das tut mir persönlich sehr leid“, sagt Röttgermann, der dafür viel Beifall erntet. Das Stuttgarter Publikum sei „erstklassig“ und das „werde auch so bleiben“. Im Anschluss folgt der Finanzbericht von Vorstand Stefan Heim, der sich ebenfalls Fehler eingesteht. „Wir brauchen bei den Transfers wieder eine höhere Trefferquote“, so Stefan Heim. Dafür sei mehr sportliche Kompetenz zwingend nötig. Man habe jedoch mit der Besetzung von Thomas Hitzlsperger als Nachfolger für Michael Reschke für den Vorstand Sport und mit der Verpflichtung von Sven Mislintat als Kaderplaner die „Fehlerquellen ersetzt“.

VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart (Foto: STUGGI.TV)

Größter Kaderumbruch seit langem

Als Thomas Hitzlsperger das Podium betritt brandet langanhaltender Applaus auf, teilweise auch Standing Ovations. Es scheint so, als ob der Vorstand Sport die Sympathien einheimst, die Präsident Wolfgang Dietrich in weiten Teilen fehlen. Er beginnt seinen Bericht ironisch: „Ich bin unglaublich froh, dass ich noch da bin, weil ich den Verein kenne“, zeigt sich Hitzlsperger gleichzeitig auch kämpferisch: „Ich möchte diesen Platz nicht hergeben, ich möchte auch in den nächsten Jahren noch zu Ihnen sprechen dürfen.“ Hitzlsperger bedankt sich bei den langjährigen Spielern Christian Gentner und Andreas Beck und stellt eine Rückkehr in einer anderen Position zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht. Der ehemalige Mittelfeldspieler weist auf den großen Kaderumbruch nach dem Abstieg hin: „Sie können sehen, wie die Konsequenzen aussehen: Schauen Sie sich den neuen Kader und das Trainerteam an.“

Thomas Hitzlsperger möchte einen offensiveren VfB entwickeln

Nun steht die Saison in der zweiten Liga an, oftmals bezeichnet als die „stärkste zweite Liga aller Zeiten mit großen Namen“. Diese werde „alles andere als einfach“, sagt Hitzlsperger. Aber wichtig sei nicht nur der direkte Wiederaufstieg, sondern auch die Entwicklung der Frage „Wofür steht der VfB?“. Der Sportvorstand möchte „die Spieler im gegnerischen Strafraum sehen und nicht im eigenen“. Für einen offensiveren Spielstil soll der aus Kiel verpflichtete neue Cheftrainer Tim Walter sorgen (mehr dazu im Video). Fünf Spieler wurden aus dem Nachwuchsbereich im Trainingslager in die erste Mannschaft integriert. Nach dem Beifall und den Redebeiträgen zu urteilen ist Thomas Hitzlsperger der klare Gewinner dieser Mitgliederversammlung.

VfB-Präsident Wolfgang Dietrich auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart (Foto: STUGGI.TV)

Die Abwahl von Wolfgang Dietrich steht klar im Vordergrund

Die Abwahl um Präsident Wolfgang Dietrich ist das klare Hauptthema der Mitgliederversammlung. Beinahe in jedem Beitrags-und Aussprachepunkt wird die Abwahl diskutiert. Der Präsident gibt sich kämpferisch („Ich möchte meine Amtszeit erfüllen“), wird gleich zu Beginn und über den Verlauf der Veranstaltung ausgepfiffen und ausgebuht. Dietrich selbst äußert sich in seinem Redebeitrag zu den Diskussionen um seine Abwahl. Konstruktive Kritik sei nach einem Abstieg üblich, „was mich zutiefst schmerzt, sind Angriffe einzelner auf mich und meine Familie“, sagt Dietrich. „Der Abstiegsabend war der bitterste Abend in meinem Leben“, so der Präsident.

Dietrich muss in Redebeiträgen harte Kritik einstecken

In den Redebeiträgen werfen die meisten Mitglieder dem 70-Jährigen insbesondere die Trennung vom ehemaligen Sportvorstand Jan Schindelmeiser, die Verpflichtung von Michael Reschke sowie die Geschäfte mit seiner ehemaligen Firma Quattrex vor. Andere Mitglieder argumentieren dagegen: Der Verein würde an Stabilität verlieren, wenn der VfB erstmal ohne Präsidenten dastehen würde. „Was müssen das für Strukturen und Rahmenbedingungen sein, dass der VfB untergeht, wenn Dietrich abgewählt wird?“ fragt das Mitglied Chris Prechtl in seinem Redebeitrag. Der 18-jährige Tim erzählt von einem persönliches Gespräch mit Präsident Dietrich, der angeblich rau reagiert habe und sagte: „Dann müssen wir ja nicht diskutieren.“ Wolfgang Dietrich reagiert in seiner Antwort, er habe Tim einen Gesprächstermin in seinem Büro angeboten.

Auf Forderung nach Rücktritt reagiert Dietrich nicht

Ein Redner fordert auf dem Podium gar den direkten Rücktritt von Dietrich. „Leute, ich bin erschüttert, was aus unserem VfB geworden ist.“ Noch nie in der 125-jährigen Vereinsgeschichte habe der Klub vom Neckar so schlecht dagestanden. „Wer trägt die Verantwortung dafür? Sie, Herr Dietrich. Zeigen Sie Größe. Ersparen Sie uns eine lange Debatte und treten Sie zurück“, was von tosendem Applaus und teils Standing Ovations von den Rängen bedacht wird.

Im Video: So reagieren die Fans

>> Das Video könnt ihr euch hier anschauen

Fotos: STUGGI.TV

Vom VfB berichtet David Rau

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